Gesundheitskosten und Krankenversicherung für Ausländer in Portugal

Portugal ist vielleicht nicht das erste Land, von dem man meinen würde, dass es ein ausgezeichnetes Gesundheitssystem hat – die Schweiz, Frankreich oder Singapur könnten die Liste wohl anführen – aber das Land hat in den letzten zehn Jahren stark in den Serviço Nacional de Saúde (Nationaler Gesundheitsdienst), kurz SNS, investiert und liegt nun laut Euro Health Consumer Index 2017 in Europa auf Platz 14 – und damit vor Großbritannien und Spanien.

Dadurch ist die Gesamtzahl der Kliniken und Krankenhäuser gestiegen und immer mehr portugiesische Krankenhäuser gehören nun zu den europäischen Spitzenreitern in ihren Fachgebieten, insbesondere in der Onkologie. Die Lebenserwartung ist seit 2005 stetig gestiegen und liegt nun bei über 80 Jahren, während die Kindersterblichkeit seit 1990 von 11 pro 1.000 auf unter 3 pro 1.000 gesenkt wurde. Gleichzeitig hat ein starkes Impfprogramm die Kinderlähmung ausgerottet und andere Infektionskrankheiten stark zurückgedrängt. Dazu kommt noch die ziemlich gesunde mediterrane Ernährung, und all das zusammen macht Portugal zu einem ziemlich gesunden Ort zum Leben!

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Serviço Nacional de Saúde (Nationales Gesundheitssystem)

Das Rückgrat des Gesundheitswesens ist der SNS, doch Portugal betreibt ein gemischtes System mit privaten und öffentlichen Krankenhäusern. Einige Ärzte sind in beiden Bereichen tätig. Die Krankenversicherung ist ebenfalls gemischt. Während das staatliche System für quasi 100 % der Einwohner zur Verfügung steht, gibt es auch eine freiwillige private Krankenversicherung, die von etwa 20 % der Bevölkerung genutzt wird, und einige öffentliche Dienste und große Arbeitgeber haben ihre eigenen Systeme. Es ist auch wichtig zu beachten, dass der SNS nur das Festland abdeckt – die Azoren und Madeira haben ihre eigenen Systeme.

Ein großer Vorteil der portugiesischen Gesundheitsversorgung ist für Einwanderer, dass viele Mediziner Englisch sprechen, insbesondere auf höheren Ebenen und in den großen Städten. Viele haben im Ausland gearbeitet oder studiert, so dass Sie sich keine Sorgen machen müssen, dass Ihnen im Krankenhaus das richtige portugiesische Vokabular fehlt – jemand wird für Sie übersetzen können. (Allerdings kann es nützlich sein, Grundlegendes wie "das tut weh" und "ich muss auf die Toilette" sagen zu können.)

Rechte der Einwanderer

Nichtansässige, die ein Ferienhaus in Portugal weniger als 90 Tage am Stück nutzen, können sich, wenn sie EU– oder EWR–Bürger (oder Schweizer) sind, auf die Europäische Krankenversicherungskarte verlassen, die sie in ihrem Heimatland bekommen haben sollten. Diese kann in den portugiesischen Gesundheitszentren und Krankenhäusern vorgezeigt werden. Personen aus Staaten außerhalb der EU müssen eine Reiseversicherung abschließen, die sie für medizinische Notfälle abdeckt.

Wenn Sie in Portugal wohnen und arbeiten – ob angestellt oder selbständig – haben Sie mit Ihren Beiträgen zur Segurança Social (Sozialversicherung) Anspruch auf eine gesetzliche Krankenversicherung. Im Gegensatz zu Deutschland mit seinen über 120 Krankenkassen deckt dieses einheitliche System die Grundversorgung aller Arbeitnehmer ab.

EU–Bürger im Ruhestand sind durch bilaterale Abkommen zwischen den Ländern abgedeckt, Familienmitglieder werden über den Hauptverdiener mitversichert. Um in das System aufgenommen werden zu können, benötigen Sie eine Aufenthalts– und Sozialversicherungskarte oder einen Nachweis über ihren Ruhestand. Bringen Sie diese Dokumente zu einem lokalen Gesundheitszentrum, um sich zu registrieren und Ihre portugiesische Gesundheitskarte zu erhalten.

Kostenloses oder kostenpflichtiges Gesundheitswesen?

Wenn Sie nicht arbeiten und nicht aus einem anderen Grund berechtigt sind, benötigen Sie eine private Krankenversicherung. Das ist vielleicht auch dann keine schlechte Idee, wenn Sie in die kostenlose gesetzliche Gesundheitsversorgung aufgenommen werden, da es die Überweisung zu Spezialisten beschleunigen kann. Abhängig von Ihrem Alter und Ihren Lebensumständen kann das von einigen hundert Euro im Jahr für jüngere, alleinstehende Erwerbstätige bis hin zu einigen tausend Euro für ein älteres Paar oder eine größere Familie kosten.

Sie sollten auch beachten, dass der Großteil der Gesundheitsversorgung zwar kostenlos ist (Sie zahlen immer noch eine Notaufnahmegebühr von 20 Euro, wenn Sie direkt ins Krankenhaus gehen), einige Leistungen jedoch zu höheren Sätzen abgerechnet werden. Durch das gemischte System sind einige spezielle Leistungen nur privat verfügbar und können somit kostenpflichtig sein. So ist die zahnärztliche Versorgung nur für Rentner, Kinder und Behinderte kostenlos, für andere Menschen kann sie teuer sein und es kann zu langen Wartezeiten kommen. (Schwangere Frauen, Patienten mit Diabetes und Geringverdiener profitieren ebenfalls von vergünstigten Tarifen für kostenpflichtige Dienstleistungen und Behandlungen.) Eine Zusatzversicherung kann helfen, diese Lücke zu schließen.

Die Schwangerschaftsbetreuung ist in Portugal kostenlos (bis auf Geburtsvorbereitungskurse) und im Allgemeinen gut. Das System ist jedoch ziemlich altmodisch. Die meisten Geburten finden im Krankenhaus statt, und Sie werden feststellen, dass Stillen und Doulas nicht so wohlwollend angenommen werden wie anderswo. Kinder genießen eine lückenlose Betreuung und ein nationales Impfprogramm, das bis zum Alter von 13 Jahren für Impfungen und Auffrischungen sorgt.

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Besonderheiten des Gesundheitssystems

Für einige Dienste gibt es jedoch lange Wartelisten, da sie kostenlos sind und es viele Leute gibt, die sie in Anspruch nehmen möchten (z.B. Augenärzte, Lungenärzte usw.). Deshalb nutzen ca. 2,34 Mio. Portugiesen die private Gesundheitsversorgung, um so schnell wie möglich die richtige medizinische Behandlung zu erhalten.

In der Regel (außer im Notfall) gehen Sie zunächst in das Gesundheitszentrum (Centro de Saúde), bei dem Sie sich angemeldet haben. Im Gesundheitszentrum gibt es eine Reihe von Ärzten und anderem Fachpersonal, manchmal auch eine Zahnklinik und andere Gesundheitsdienste oder sogar eine Kinderbetreuung. Für die Überweisung an Spezialisten ist ein Arztbesuch erforderlich; in der Regel fällt eine kleine Gebühr an (ca. EUR 5). Apotheken können bei kleineren Beschwerden auch kostenlose Ratschläge geben, aber je nach Apotheker müssen Sie hier aufpassen – Medikamente sind viel billiger, wenn sie auf Rezept verschrieben werden, Sie bezahlen also mehr, wenn Sie sie rezeptfrei kaufen.

Da das portugiesische Gesundheitssystem GKV und PKV hat, sollten Sie sich immer bei den Ärzten und Krankenhäusern erkundigen, unter welchem System man Sie behandelt, und bestehen Sie auch darauf zu erfahren, welche Kosten Sie eventuell selbst tragen müssen. Wenn Sie es von zu Hause gewohnt sind, in hohem Maße bei Ihrer Behandlung mitzuentscheiden, werden Sie wahrscheinlich feststellen, dass Sie sehr darauf bestehen müssen, ausreichende Informationen über Ihre Behandlung zu erhalten. Im portugiesischen Gesundheitswesen stand bisher der Arzt sehr im Mittelpunkt, das könnte sich aktuell jedoch ändern (zum Teil, da einige Ärzte im Ausland ausgebildet werden und neue Ideen über die Arzt–Patienten–Beziehung mit nach Portugal bringen).