Gesundheitsversorgung für Expats in Frankreich

Wie man Zugang zum französischen Gesundheitssystem erhält

Frankreich hat ein hervorragendes Gesundheitssystem, das sicherlich mit dem deutschen verglichen (wenn auch nicht gleichgesetzt) werden kann. Anders als in Deutschland, wo der Krankenkassenbeitrag 15,5 % Ihres Einkommens entspricht (wovon Ihr Arbeitgeber 7,3 % übernimmt), müssen Sie in Frankreich 5,25 % Ihres Gehalts abgeben.

In Frankreich werden Sie alle Rechnungen selbst bezahlen müssen und bekommen hinterher von der Versicherung ein Teil erstattet.

Damit Sie sich ein besseres Bild vom französischen Gesundheitswesen machen können, hier ein paar Beispiele: Ihr Arzt kann Sie ins Krankenhaus schicken, er kann Sie aber genauso gut für Bluttests oder Biopsien an ein spezialisiertes Labor verweisen. Und wenn Sie eine alljährliche Grippeimpfung brauchen, bekommen Sie diese in der Apotheke, und nicht in der Arztpraxis. Röntgenbilder und Scan-Ergebnisse wird man Ihnen in einem großen Umschlag mitgegeben, und es liegt in Ihrer Verantwortung, diesen in der Zukunft mitzubringen (die Spezialisten werden die Unterlagen möglicherweise per E-Mail verschicken, darauf können Sie sich aber nicht immer verlassen). Zum Krankenhaus gelangen Sie entweder mit Hilfe der sapeurs-pompiers („Feuerwehrleute“, die aber viel mehr leisten) oder des SAMU (Notdienst).

Patienten, die zu Routineterminen müssen und ihren Transport nicht selbst bewerkstelligen können, können private Krankenwägen bestellen.

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Krankenversicherung in Frankreich: carte vitale und mutuelle

Wenn Sie einen Wohnsitz in Frankreich haben, brauchen Sie eine carte vitale, durch die 80 % Ihrer Gesundheitskosten vom Staat getragen werden (100 % in manchen Fällen, wie z.B. bei lang andauernden Erkrankungen, affections de longue durée). Die carte vitale bekommen Sie von Ihrem Arbeitgeber, und falls Sie selbstständig sind, von einer für Ihre Art von Geschäft zuständigen Organisation, hierfür müssen Sie einkommensabhängige Beiträge zahlen. Für die verbleibenden Kosten werden Sie eine Zusatzversicherung, eine sog. mutuelle, abschließen wollen. Beachten Sie, dass die Kostenerstattung auf einer standardisierten Preisliste basiert, es kann Ihnen also stark an den Geldbeutel gehen, wenn Ihre Gesundheitsversorgung überdurchschnittlich teuer ist.

An eine carte vitale zu kommen, kann sich als gar nicht so einfach herausstellen. Manch einer musste schon bis zu 2 Jahre warten, um eine zu bekommen. Und wie immer, wenn es um französische Bürokratie geht: niemand weiß, warum!

Wenn Sie im Ruhestand sind, sieht es etwas anders aus. Als EWR-Bürger können Sie das Formular S1 benutzen (führen Sie einfach eine Kopie des Dokuments mit sich), dadurch wird ein Teil Ihrer Gesundheitsausgaben übernommen. Sie müssen zwar von Ihrem Einkommen (Rente) hierdurch in Frankreich keine Sozialabgaben machen, geben Sie sie aber bitte nicht der Illusion hin, dass 100 % Ihrer Kosten übernommen werden. In den meisten Fällen werden Sie Ihre Versicherung hochstufen oder die Leistungen separat bezahlen müssen. Um das Formular S1 in Deutschland zu bekommen, setzen Sie sich bitte mit Ihrer Krankenkasse in Verbindung.

Auswandern nach Frankreich: Europäische Gesundheitskarte

Wenn Sie ein Ferienhaus in Frankreich haben, dort jedoch keinen festen Wohnsitz angemeldet haben, dann brauchen Sie entweder eine Europäische Gesundheitskarte (die Sie als gesetzlich versicherter Bundesbürger automatisch haben) oder eine private Krankenvollversicherung.

Beachten Sie, dass Sie mit der Europäischen Gesundheitskarte die gleichen Leistungen bekommen wie ein französischer Einwohner, es werden also nur 80 % Ihrer empfangenen Leistungen erstattet werden. Für die restlichen 20 % können Sie eine Reisezusatzversicherung abschließen, denn ein anderthalbwöchiger Krankenhausaufenthalt kann Sie mit 20 % immer noch um die 1.500 Euro kosten.

Ein normaler Arztbesuch wird Sie lediglich 25 Euro kosten. Es sind die anderen Dinge darum herum, die ans Geld gehen — und Vorsicht: französische Ärzte verschreiben Ihnen gerne alles Mögliche, von dem sie denken, dass Sie es brauchen könnten, inklusive Schmerzmittel, Vitamine und reichlich Untersuchungen, es kann also passieren, dass Sie eine Stange Geld für Ibuprofen bezahlen, das Sie im Supermarkt viel günstiger hätten kaufen können!

Gesundheitssystem Frankreich: erste Qualität

Sobald Sie es ins System geschafft haben, werden Sie sehen, dass die Versorgung ein gewisses Flair hat. Krankenhäuser haben z.B. keine offenen Stationen, sondern Doppel- und Einzelzimmer (für ansteckende Krankheiten oder falls Sie etwas mehr bezahlen wollen).

Diagnostische Untersuchungen werden ohne Rücksicht auf Kosten so lange durchgeführt, bis Ihr Doktor sich mit der Diagnose absolut sicher ist, und wenn Sie eine längere Krankheit haben, werden mindestens einmal im Jahr einige Tests durchgeführt, um den Krankheitsverlauf zu beobachten und etwaige Nebenwirkungen jeglicher Medikamente frühzeitig zu erkennen.

Französisches Pflegepersonal ist zudem sehr geschickt in der Schmerzlinderung — Schmerz wird hier nicht als charakterbildend angesehen.

Andererseits scheint das System sich mehr um Ihre Gesundheit als um Ihre persönlichen Bedürfnisse zu kümmern. Schwangerschaften sind in Frankreich z.B. medizinisch sehr viel strenger reguliert als in Deutschland, eine alternative Entbindungsart werden Sie nur schwer durchsetzen können (positiv allerdings: französischen Müttern werden Beckenbodenübungen verschrieben, und falls notwendig auch medizinische Unterstützung bei der Schwangerschaftsrückbildung).

Sie werden jedenfalls einen hervorragenden Pflegestandard genießen und haben das Recht, wohl informiert über Ihre Behandlung und die Wahl der Spezialisten zu entscheiden.