So viel Geld brauchen Sie für Ihren Ruhestand in Frankreich

Frankreich: Rente im Ausland

Manche verbringen ihren Ruhestand im Ausland, da sie dort mit ihrer Rente viel weiter kommen, als es zuhause der Fall wäre. Sie können mit der Pension eines Lehrers in Thailand oder Ecuador leben wie ein Prinz. Und auch in Portugal können Sie es sich sehr gutgehen lassen, auch wenn Ihr Rententopf etwas kleiner ausfällt. Frankreich hingegen ist keine Billig-Destination – es ist ein hochentwickeltes Land mit hohem Lebensstandard. Der Lifestyle ist herrlich – aber Sie werden dafür bezahlen.

Numbeo (eine hervorragende Quelle zum Preisvergleich zwischen Ländern) gibt an, dass eine Einzelperson in Paris an die 900 Euro im Monat zum Leben braucht – Mietkosten nicht inbegriffen. Paris kann hier mit London mithalten – mit Lebenshaltungskosten doppelt so hoch wie in Lissabon. Wenn Sie aber über die Hauptstadt hinausblicken, so finden Sie Regionalhauptstädte, die man sich viel besser leisten kann, und noch günstigere Kleinstädte.

Numbeo geht davon aus, dass Sie in Montpellier – einer Stadt mitgroßer Studierendenpopulation und einem florierenden Technologiesektor – für 754 EUR im Monat leben könnten, und Marseille ist mit 655 EUR ein Schnäppchen, also unter 9.000 EUR im Jahr.


Die Zahlen von Numbeo lassen einen großen Kostenpunkt unter den Tisch fallen, das sind natürlich die Wohnkosten. Wir hatten es bereits: während Großstädte wie Paris, Nizza und Bordeaux hohe Immobilienpreise haben, sind diese nicht für das gesamte Land repräsentativ. Wenn Sie auf der Suche nach einem günstigen unterkellerten Landhaus für unter 50.000 EUR sind – oder sich mit der Rente eines Buchhalters ein Chateau leisten wollen – dann schauen Sie sich in Berry (Indre), Limousin (Creuse, Correze, Haute-Vienne), in der Bretagne (Cotes d'Armor, Finisterre) oder in Maine um (Mayenne und Sarthe). Sie werden örtliche Steuern mit einberechnen müssen, und diese variieren stark je nach Region – in der Stadt fallen sie meist höher aus, in Dörfern niedriger. Pensionäre mit kleiner Rente bekommen oftmals Rabatte, und die jüngsten Neuerungen haben bewirkt, dass 80 % aller Haushalte von der taxe d’habitation befreit sein sollten.

Alltagsleben in Frankreich: wieviel Geld braucht man zum Leben

Sich in Frankreich einzuleben bedeutet viel mehr als sich nur im Allgemeinen an die Kosten zu gewöhnen, Produkte haben in Frankreich sehr verschiedene Preise. Alkoholische Getränke etwa sind in der Gastronomie viel teurer als in Deutschland. Billigwein bekommen Sie im Supermarkt für unter 2 Euro die Flasche, ab 6 Euro bekommen Sie schon einen ganz ordentlichen Tropfen, insbesondere wenn Sie die foire aux vins Sonderangebote im September/Oktober nutzen. Falls Sie kein Weintrinker sind, finden Sie auch einige sehr gute Biere im Supermarkt.

Ein Dreigängemenü für zwei Personen kostet Sie im Restaurant durchschnittlich 46 EUR – doch ein repas de midi ouvrier (Arbeitermittagessen) oder ein festes Abendmenü im Restaurant auf dem Land bekommen Sie für 9-12 EUR pro Person, und die Qualität ist oft sehr hoch.

Obwohl Neuwagen in Frankreich zu ähnlichen Preisen wie im Rest Europas verkauft werden, sind Autos aus zweiter Hand in Frankreich teurer (es gibt hier keinen wirklichen Gebrauchtmarkt und Franzosen behalten ihre Autos für gewöhnlich für sehr lange). Viele Autobahnen erheben Maut, und es wird erwartet, dass viele weitere nachziehen werden. Lange Strecken zu fahren kann also teuer werden, auch die Spritpreise sind etwas höher als in Deutschland. Der öffentliche Personenverkehr ist im Allgemeinen günstiger, und die SNCF (die französische Eisenbahngesellschaft) bietet eine „Carte Senior“ an, die Bahnfahrern signifikante Ersparnisse einbringt.

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Gesundheitssystem Frankreich: als Rentner auswandern

Gesundheitsversorgung wird Sie auch etwas kosten, allerdings werden EU-Bürger bei Eintritt ins Rentenalter ihres Heimatlandes kostenlos in das nationale System aufgenommen (wenn Sie in Frührente gehen, werden Sie Beiträge in das PUMA-System leisten müssen, genauso wie Nicht-EU-Bürger). Jedes Land hat hierfür seine eigene Verwaltung – Deutsche sollten ein S1-Formular bekommen, dieses gibt Ihnen Zugang zum französischen Gesundheitssystem. Das System wird Ihnen 70-80 % Ihrer Gesundheitskosten erstatten (100 % im Falle bestimmter chronischer oder langfristiger Krankheiten wie z.B. rheumatische Arthritis, Diabetes, Herzprobleme und langfristige psychische Gesundheitsprobleme). Für die restlichen Kosten sollten Sie besser eine mutuelle abschließen. Sie können die Kosten für die mutuelle reduzieren, indem Sie sich für einen Vertrag entscheiden, der sich auf Krankenhausaufenthalte beschränkt, solche bekommen Sie für unter 100 EUR im Monat. Die gute Nachricht: Die Beitragshöhe für eine mutuelles ist generell unabhängig von bereits bestehenden gesundheitlichen Problemen.

Beachten Sie jedoch, dass PUMA erst greift, wenn Sie bereits für 3 Monate in Frankreich gelebt haben. Für diese ersten drei Monate sollten Sie sich separat privat versichern. Die PUMA-Beiträge belaufen sich auf 8% Ihres Nettoeinkommens, allerdings werden die ersten 9611 EUR Ihres Einkommens hierfür nicht gezählt – das lohnt sich also, wenn Sie ein relativ niedriges Einkommen haben, und weniger, wenn Sie eine dicke Pension einstreichen.

Lebenshaltungskosten kann verschieden sein

Diese Zahlen sind natürlich für eine „durchschnittliche“ Person gedacht. Nur Sie wissen, wieviel Geld Sie zur Verfügung haben, und es kann natürlich sein, dass Sie weniger ausgeben als der Durchschnitt oder Ihr Geld für andere Dinge ausgeben. Der eine gibt sein Geld für fetzige Rock’n’Roll-Konzerte aus – die andere widmet ihre Freizeit und ihr Geld ihrem weitläufigen Garten in Haute-Vienne. Einige Menschen finden günstige Wege, ihren Lifestyle zu finanzieren – ein Haus in Correze wurde beispielsweise komplett mit Möbeln aus vides-greniers (Garagenverkäufen) ausgestattet, die der Besitzer selbst restaurierte. Ein pensionierter Architekt fand heraus, dass er Kühlschrank, Herd und Mikrowelle in einem depot vente (Auktionshaus) um ein Drittel günstiger bekommen konnte als im Laden.

Ein heimwehkranker Schwabe bezahlte viel Geld dafür, sich seine Maultaschen aus dem Ländle nach Bordeaux fliegen zu lassen, denn „gescheite Maultaschen bekommt man in Frankreich einfach nicht.“ Wenn Sie vorhaben, sich Ihr Lieblingsessen jedes Wochenende mit dem Flugzeug bringen zu lassen, werden Sie eine deutlich höhere Rente benötigen als 9.000 Euro im Jahr!