Jobmöglichkeiten für Auswanderer in Frankreich

Dürfen Sie in Frankreich arbeiten?

Wenn Sie in Frankreich leben und arbeiten wollen, und Sie sind EU- oder EWR-Bürger oder Schweizer, ist keine besondere Bürokratie notwendig. Sie haben das Recht zu arbeiten und das Recht auf Selbstständigkeit. Sie werden sich um einen Job kümmern oder Ihre Selbstständigkeit beginnen müssen (mit allen möglicherweise erforderlichen Genehmigungen), aber das ist alles.

Falls Sie von anderswo kommen, müssen Sie sich bereits vor der Einreise um die richtige Arbeitserlaubnis und ein Arbeitsvisum kümmern. Falls Sie unternehmensintern versetzt werden oder sich erfolgreich aus dem Ausland auf eine Stelle in Frankreich beworben haben, muss Ihr französischer Arbeitgeber eine Genehmigung bei der DIRECCTE beantragen (und für etwaige mitreisende Familienangehörige denselben Vorgang beginnen). Sobald Ihr Arbeitsvertrag validiert wurde, geht er an das OFII (die Einwanderungsbehörde) und wird dann an die französische Botschaft oder das Konsulat in Ihrem Heimatland geschickt, wo Sie ein Visum beantragen müssen.

In den letzten Jahren hat sich einiges geändert. 2016 wurde der „passeport talent“ eingeführt, ein Programm mit unterschiedlichen Bedingungen, je nachdem, aus welchem Bereich Sie kommen, ob Sie ein junger qualifizierter Absolvent, Angestellter eines innovativen Unternehmens, Wissenschaftler, Künstler oder Anderes sind. Dieses Programm bietet sich insbesondere für Besserverdiener und Entrepreneure an, sowie für Inhaber der Blauen Karte EU (hierfür müssen Sie mindestens 1,5-mal das französische Durchschnittseinkommen erwirtschaften, also ca. 54.000 EUR im Jahr).

Es gibt auch eine Kategorie für Menschen mit internationalem Renommee – das kann beispielsweise auf Technologie-Innovatoren, Museumskuratoren, Schriftsteller und Journalisten zutreffen. Für Gründer gibt es eine weitere Kategorie, diese müssen mindestens 30.000 EUR in Gewerbe, Kunst oder Industrie investieren und einen gut konzipierten Businessplan vorlegen.

Man kann sich in Frankreich auch auf eine Saisonarbeitserlaubnis bewerben, aber hier gibt es strenge Einschränkungen. Der Arbeitsvertrag muss über mindestens drei Monate laufen, und weniger als sechs. Ihre Familie können Sie in diesem Fall nicht mitbringen. Diese Variante eignet sich z.B. gut für alleinstehende Skilehrer oder professionelle Windsurfer – weniger für Beschäftigte im mittleren Management mit Kindern.

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Es ist nicht einfach, in Frankreich einen Job zu finden

Nehmen wir einmal an, die Formalitäten sind alle erledigt. Was sind nun Ihre besten Möglichkeiten? Es ist in Frankreich nicht immer einfach, einen Job zu finden. Die Arbeitslosenrate ist mit etwas über 9 % relativ hoch, und die Jugendarbeitslosigkeit ist noch deutlich höher. Viele französische Absolventen sprechen zudem sehr gutes Englisch, Sprachkenntnisse sind hier also kein so großer Vorteil wie in manchen anderen europäischen Ländern.

Falls Sie so glücklich sind, im High-Tech-Sektor angestellt zu sein, von Werkstofftechnologie oder Robotertechnik bis zu Videospielentwicklung oder IT, haben Sie eine gute Chance auf einen Job in Frankreich. Das Bankwesen und Finanzwirtschaft sind ebenso kosmopolitische Sektoren, die aus dem Ausland anheuern.

Die französische Arbeitswelt

Seien Sie jedoch gewarnt, die französische Arbeitswelt könnte sehr von dem abweichen, was Sie gewohnt sind. Die gute Nachricht ist, dass es eine ziemlich flächendeckende 35-Stumden-Woche gibt, und es wird von niemandem erwartet, morgens früher als die Chefin im Büro zu sein oder abends länger zu bleiben – und die Work-Life-Balance in Frankreich ist die beste in ganz Europa. (Als Fachkraft kann es vorkommen, dass Sie 45 Stunden die Woche arbeiten, aber das wird durch zusätzliche Urlaubstage ausgeglichen). Die schlechte Nachricht ist, dass die französische Arbeitskultur sehr hierarchisch und steif sein kann, und Innovation wird nicht immer begrüßt. Berufslaufbahnen sind meist sehr strukturiert, sodass es z.B. innerbetrieblich nur begrenzt möglich ist, zwischen Bereichen zu wechseln, beispielsweise von der Finanzabteilung ins operative Management.

Vielleicht mitunter aus diesem Grund entscheiden sich viele Expats für die Selbstständigkeit und managen ihr eigenes Gite, eine Bar oder ein Restaurant. Manche scheitern, doch viele sind erfolgreich und genießen ihr neues Leben in vollen Zügen. Der Schlüssel zum Erfolg ist es, zuallererst zu recherchieren – schauen Sie sich in der Gegend um und erkundigen Sie sich nach potenzieller Konkurrenz, bevor Sie kaufen. Vielleicht ist es ja besser, eine Besonderheit wie z.B. Reiturlaub anzubieten, anstatt ins allgemeine Gastgewerbe einzusteigen, um nur eine Möglichkeit zu nennen. Es ist überraschend, wie viele Käufer dies nicht tun, und viele von ihnen scheitern. Bedenken Sie auch, dass die Hochsaison in vielen Gegenden Frankreichs nur wenige Sommermonate andauert.

Finden Sie Ihr Zuhause in Frankreich

Andere Expats bieten Dienstleistungen direkt für die Expat-Community an; Immobilienmakler, Relocation-Consultant, Immobilienmanager, Versicherungsagenten, Übersetzer oder sogar Einwanderungsanwälte. Das kann in Großstädten gut funktionieren, wo es große Expat-Communitys gibt, jedoch auch in Gegenden wie der Dordogne, Charente-Maritime und der Provence, wo insbesondere viele ausländische Ruheständler sowie Besitzer von Ferienhäusern zu finden sind.

Sprachunterricht anzubieten ist auch eine gute Möglichkeit, den Lebensunterhalt zu bestreiten – das funktioniert für Deutsch und Englisch, aber auch insbesondere, wenn man ausgefallene oder besonders nützliche Sprachen spricht (wie z.B. Japanisch, Chinesisch oder Spanisch). Hüten Sie sich jedoch vor Sprachschulen, die Sie als Selbstunternehmer („auto-entrepreneur“) anheuern wollen, als solcher verzichten Sie nämlich auf die meisten Arbeitnehmerrechte und müssen als erstes daran glauben, wenn es einmal mit der Kundschaft knapp wird.

Manche Fachkräfte wie Journalisten und IT-Spezialisten können unter Umständen gut aus der Ferne arbeiten. Andere wiederum, wie z.B. Architekten oder Ärzte, werden möglicherweise einige freie Stellen finden, die sie jedoch nur dann realistischerweise bekommen können, wenn sie gut Französisch sprechen.

Es lohnt sich auch, darüber nachzudenken, Kontakt zu Pole Emploi, dem französischen Arbeitsamt aufzunehmen, das nicht nur eine Plattform für Stellenangebote ist, sondern Bewerber auch an relevante Weiterbildungskurse vermittelt, wie z.B. FLE (Français Langue Etrangère - Französisch als Fremdsprache).

In Frankreich zu arbeiten mag zunächst eine bürokratische Hürde darstellen und Sie müssen den richtigen Weg finden, an einen Arbeitsplatz zu kommen oder Ihr eigenes Geschäft zu eröffnen. Doch für die meisten Menschen, die gewillt sind, diesen Schritt zu gehen, gibt es irgendwo die perfekte Nische – man muss sie nur finden.