Kulturschock: Kommunikation und Sozialnormen in Portugal

Der Umzug nach Portugal sollte eine ungetrübte Freude sein. Aber Immobilienkäufer aus anderen Kulturkreisen können in Portugal einen kleinen Kulturschock erleiden - und das gilt für Lissabon genauso wie für abgelegene Landstriche.

Die erste Hürde, der Sie sich stellen werden müssen, ist wahrscheinlich die portugiesische Sprache. Portugiesisch zählt nicht zu den Sprachen, die man üblicherweise in der Schule gelernt hat, sodass nur wenige Neuankömmlinge die Sprache bereits beherrschen; und obwohl jüngere Portugiesen oft gut Englisch sprechen, verstehen viele ältere Menschen, insbesondere außerhalb der Hauptstadt und der beliebtesten Touristengebiete, nur sehr wenig.

Schlimmer noch, wie eine frisch Eingewanderte herausfinden musste: obwohl sie fließend Spanisch sprach und portugiesische Zeitungen lesen konnte, konnte sie die Menschen einfach nicht verstehen, wenn sie mit ihr sprachen. „Es klingt überhaupt nicht so, wie es aussieht!“ sagte sie. Und noch schlimmer: Sie musste herausfinden, dass es Portugiesen ziemlich beleidigen kann, wenn man Spanisch zu ihnen spricht. Das ist ein bisschen so, als würde man einen Schotten "Engländer" nennen oder einen Holländer auf Deutsch ansprechen.

Es gibt jedoch auch gute Nachrichten. In vielen Städten gibt es kostenlose oder kostengünstige Portugiesischkurse für Anfänger und Fortgeschrittene. Erkundigen Sie sich in der Bibliothek, im Kulturzentrum oder im Tourismusbüro nach den Angeboten.

Portugiesisch ist eine Sprache, die oft mit ziemlich hoher Lautstärke gesprochen wird. Daran muss man sich einfach gewöhnen – laute Stimmen bedeuten nicht unbedingt, dass gestritten wird. Die Portugiesen können zudem sehr direkt sein – es liegt ihnen nicht, Euphemismen zu benutzen, und sie werden ein Grabwerkzeug immer als Schaufel bezeichnen.

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Die portugiesische Haltung

Wenn Sie ein Haus renovieren, werden Sie bald feststellen, dass portugiesische Handwerker zwar hart arbeiten, von ihren Arbeitszeiten her aber nicht immer ganz vorhersehbar sind. Im Geschäftsleben nimmt man es mit der Zeit jedoch genau - Sie sind hier nicht im Land der Mañanas und Siestas, dafür müssen Sie einen Ausflug über die spanische Grenze machen.

Verglichen mit Nordeuropäern und US-Amerikanern neigen Portugiesen dazu, sehr spät zu Abend zu essen. Und wenn es ein nächtliches Fest zu feiern gibt, werden Sie sehen, wie Babys und der Urgroßvater sich mit der Familie vergnügen - es gibt keine Vorstellung von einer vernünftigen Schlafenszeit.

Sie müssen sich daran gewöhnen, Männern die Hände zu schütteln Frauen die Wangen zu küssen – jemanden auszulassen ist tatsächlich sehr unhöflich, genau als würden Sie einen Kollegen nicht grüßen. Es gibt eine gewisse Formalität im portugiesischen Leben – man spricht sich unter Kollegen oft mit Senhor und Senhora an – und sogar, wenn jemand ein Bürogebäude oder einen Aufzug betritt, wird von ihm oder ihr erwartet, jeden zu begrüßen, der bereits da ist, und sich beim Verlassen zu verabschieden.

Männer umarmen sich ziemlich oft, aber Küssen... das passiert nur, wenn Portugal im Fußball gewinnt.

Vielleicht werden Sie Portugal als modebewussteren Ort erfahren, als Sie es gewohnt sind. Geschäftskleidung ist ziemlich formell, und es ist mit einem gewissen Stolz verbunden, gut gekleidet zu sein. Sie werden auch feststellen, dass Portugal sehr familienorientiert ist. Mit Kindern wird nicht streng umgegangen und jedes Fest wird zu einem Familienausflug. Wenn Sie mit kleinen Kindern nach Portugal ziehen, werden Sie feststellen, dass man sie von allen Seiten verwöhnen wird. Familien kommen bei jeder Gelegenheit zusammen, und es gibt zahlreiche Familienunternehmen – es wird als ganz natürlich angesehen, Mitglieder der erweiterten Familie im eigenen Unternehmen zu beschäftigen.

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Portugal hat jedoch auch seine Schattenseite. Unter Salazars Diktatur wanderten ganze Familien nach Frankreich aus, viele gingen den gesamten Weg zu Fuß; einige Menschen verschwanden einfach, andere saßen in politischen Gefängnissen ein. Die meisten Leute reden nicht gerne über diese Zeit, und man kann es ihnen nicht verübeln. Sie neigen ebenfalls dazu, die negative Seite des portugiesischen Kolonialismus nicht zu erwähnen.

Seien Sie auch beim Thema Fußball vorsichtig. Es ist im Grunde weniger gefährlich, jemandes Religion zu beleidigen, als sich unhöflich über dessen Fußballverein zu äußern. (Obwohl eigentlich 80 % der Portugiesen katholisch sind, üben nur etwa 20 % ihren Glauben aus.) Das vielleicht einzige Ungefährliche, was man einem Portugiesen über Fußball sagen kann, ist wahrscheinlich „die Engländer sind Müll“. Niemand wird Ihnen widersprechen.

Abschließend noch zwei kleine Dinge, die Sie über Portugal wissen müssen. Erstens gibt es immer noch eine Menge Leute, die rauchen, und eine Menge Bars und Restaurants, die das Rauchen erlauben (einige verbieten es aber). Das könnte ein Schock für Menschen sein, die an eine stärker regulierte Umgebung gewöhnt sind. Zweitens haben die Portugiesen eine weitere große Sucht – die nach starkem Kaffee. Wenn Sie milchigen, schwachen Kaffee oder, noch schlimmer, eine Tasse Tee schätzen, werden Sie nicht viele Orte finden, an denen man Ihren diesen Wunsch erfüllen kann. Gewöhnen Sie sich also besser daran, Ihren Kaffee heiß, stark und bitter zu genießen.